Die Homo-Debatte: Die Bibel und Homosexualität

Translated by Constantin L.

Also gut, ich würde zunächst gern Ihnen Allen dafür danken, dass Sie heute Abend hergekommen sind; Ich weiß das wirklich sehr zu würdigen; und dafür, dass Sie daran interessiert sind mehr über dieses Thema zu erfahren. Ich möchte auch der College Hill vereinigte Methodistenkirche dafür danken Gastgeber dieser Veranstaltung zu sein. Mein Name ist Matthew Vines, ich bin 21 Jahre alt, und ich bin momentan Student im College, obwohl ich die letzten zwei Jahre abwesend war, um das Material studieren zu können, das ich Ihnen heute Abend vorstellen werde. Ich wurde hier in Wichita geboren und bin hier aufgewachsen, in einem liebevollen, christlichen Elternhaus und in einer kirchlichen Gemeinschaft, die, was dieses Thema angeht, an der traditionellen Interpretation der Heiligen Schrift festhält. Nur um eine kurze Gliederung für diese Präsentation zu geben: Ich werde mich zunächst mit den generellen Streitpunkten und Kernaspekten hinter dieser Debatte beschäftigen und dann näher eingehen auf die wichtigsten biblischen Texte, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen und zuletzt werde ich einige, abschließende Bemerkungen anbieten. Die Angelegenheit der Homosexualität, Streitfragen wie die Weihe schwuler Geistlicher und die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, hatten in den vergangenen Jahrzehnten gewaltige Aufspaltungen innerhalb der Kirche zur Folge, und die Kirche ist sich bis heute im Bezug auf diese Fragen im Wesentlichen uneinig. Die auf der Seite derer, welche ein Umdenken unterstützen -weg von der traditionellen Kirchenlehre- am häufigsten genannten Beweggründe sind Werte wie Akzeptanz, Inklusion und die Liebespartnerschaft, während auf der anderen Seite jene, welche gegen diese Veränderung sind Besorgnis um Reinheit, Heiligkeit der Ehe und – am wichtigsten – die Rolle der Heiligen Schrift in unserer Gesellschaft zum Ausdruck bringen. Erkennen wir die Bibel weiterhin als Autorität an und nehmen wir biblische Lehren ernst, selbst, wenn es uns nicht behagt?

Ich möchte heute mit der traditionellen Auslegung der Heiligen Schrift im Bezug auf das Thema Homosexualität beginnen, zum Einen, weil deren Schlussfolgerungen innerhalb der Kirche eine wesentlich längere Geschichte aufweisen als modernere Deutungen und zum Anderen, weil ich glaube, dass viele Menschen, die sich zu dieser Position bekennen das Gefühl haben, dass jene, welche für eine Neuauslegung plädieren noch keine theologische Beweisführung unternommen haben, welche so gut an der Heiligen Schrift belegt ist, wie die traditionelle; in diesem Fall sollte sich natürlich die “biblisch belastbarste” Position durchsetzen. Die traditionelle Auslegung, in zusammengefasster Form, lautet wie folgt: Es gibt sechs Bibelpassagen, welche sich auf irgendeine Weise auf gleichgeschlechtliches Verhalten beziehen und sie sind alle negativ. Drei von ihnen sind direkt und klar. Im Alten Testament, in Leviticus, werden gleichgeschlechtliche Beziehungen verboten und als “Gräuel” bezeichnet. Im Neuen Testament, im Brief des Paulus an die Römer, spricht Paulus von Frauen, die “den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandel[n]” und von Männern, die “den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen” und “in ihrer Wollust zueinander entbr[ennen]”. Gemäß der traditionellen Interpretation stimmen also Altes Testament und Neues Testament in ihrer Ablehnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen überein. Es geht aber nicht nur um diese drei Verse und die drei anderen, auf die ich später zu sprechen kommen werde. Es ist richtig, dass sechs Verse nicht wirklich viele sind, im Vergleich zu den insgesamt 31.000 der Heiligen Schrift. Aber nicht nur sind diese alle negativ, von einem traditionellen Blickwinkel betrachtet, gewinnen sie zusätzich an Bedeutung und Zusammenhang bei Betrachtung der Eröffnungskapitel der Genesis, in welchen Gott Adam und Eva erschafft, männlich und weiblich. Das war die ursprüngliche Schöpfung; vor dem Niedergang, bevor die Sünde in die Welt kam. So sollten die Dinge sein. Wenn also jemand schwul ist, ist dessen sexuelle Orientierung nach dieser Sichtweise ein Zeichen für den Niedergang, ein Zeichen für die menschliche Gefallenheit und Gebrochenheit. Das ist nicht wie die Dinge sein sollten. Und wenngleich es per se keine Sünde ist eine gleichgeschlechtliche Orientierung zu haben, so ist es doch nach der traditionellen Interpretation Sünde nach dieser zu leben, weil die Bibel in der Hinsicht klar ist sowohl im Bezug auf das, was sie negativ verbietet, als auch auf das, was sie positiv gutheißt. Christen, die schwul sind; also jene, die sich zu Menschen ihres eigenen Geschlechts hingezogen fühlen; sind dazu berufen, darauf zu verzichten diesen Anziehungen nachzugehen, sie müssen dies sich selbst verweigern, ihre Kreuze tragen um Christus zu folgen. Und auch, wenn es uns nicht fair erscheinen mag, Gottes Wege sind unergründlich und wir haben nicht infrage zu stellen, sondern zu gehorchen.

Innerhalb dieser Rahmenvorstellung haben homosexuelle Menschen ein Problem: sie sehnen sich nach körperlicher Nähe zu den falschen Menschen. Sie werden deswegen oft als grundsätzlich lüsterne, sexuelle Wesen wahrgenommen. Während sich also heterosexuelle Menschen verlieben, heiraten und Familien gründen, haben homosexuelle Menschen bloß Sex. Jeder hat aber eine sexuelle Orientierung und dabei geht es nicht nur um Sex. Heterosexuelle Menschen sind nie gezwungen über ihre sexuelle Orientierung als apartes Charakteristikum nachzudenken, aber sie ist dennoch ein Teil von Ihnen und Sie beeinflusst ihr Leben in enormem Ausmaße. Für heterosexuelle Menschen ist die sexuelle Orientierung auch ihre Fähigkeit zu romantischer und selbstloser Liebe. Es geht nicht nur um sexuelle Anziehung und das gelebte Sexualverhalten. Aufgrund der Tatsache, dass wir eine sexuelle Orientierung haben, sind wir in der Lage uns in jemanden zu verlieben, eine langfristige, verpflichtende und verpflichtete Beziehung zu ihm aufzubauen und letztendlich eine Familie zu gründen. Bei der Familie geht es nicht um Sex, aber für so viele von uns, hängt es immer noch davon ab, dass wir einen Begleiter haben, einen Ehepartner. Und das gilt für homosexuelle wie für heterosexuelle Menschen. Sexuelle Orientierung bedeutet auch das für sie. Homosexuelle Menschen verfügen über genau dieselbe Fähigkeit zur romantischen Liebe und Selbstaufgabe wie Heterosexuelle. Den emotionalen Bund, den homosexuelle Paare teilen, die Qualität der Liebe, ist identisch mit der heterosexueller Paare. Gleichgeschlechtlich Liebende kommen, wie fast alle von uns, aus Familien und auch sie sehnen sich danach selbst eine zu gründen.

Aber die logische Konsequenz der traditionellen, biblischen Exegese ist, dass während heterosexuelle Menschen ermahnt werden, Wollust, zwanglose Beziehungen und Promiskuität zu meiden, Homosexuelle dazu verpflichtet werden, gänzlich auf romantische Beziehungen zu verzichten. Die Sexualität heterosexueller Menschen wird als fundamental gut angesehen, als eine Gabe. Sie kann auf sündhafte oder unverantwortliche Weise ausgelebt werden, aber sie kann auch gezügelt und auf eine liebevolle Ehebeziehung hin ausgerichtet werden, die spirituell und gesellschaftlich geschätzt und angesehen sein wird. Aber homosexuellen Menschen sagt man, obwohl sie sowohl die Fähigkeit dazu als auch den Wunsch nach liebevollen Beziehungen haben, dass für sie selbst lebenslange, treue Partnerschaften sündhaft wären, weil ihre sexuelle Orientierung in sich fehlerhaft ist. Es ist keine Angelegenheit von Lust gegen Liebe oder von zwanglosen gegen verpflichtete Beziehungen, weil gleichgeschlechtliche Beziehungen essentiell sündhaft sind, unabhängig von Qualität und Kontext. Die sexuelle Orientierung homosexueller Menschen ist so kaputt, so fehlgeleitet, dass daraus nichts Gutes hervorgehen kann; keine moralisch gute, fromme und rechtschaffene Beziehung könne jemals daraus hervorgehen. So sagt man ihnen, dass sie niemals eine romantische Bindung haben werden, die von der Gesellschaft geschätzt und anerkannt wird; man sagt ihnen, sie werden niemals eine Familie haben.

Pauli Brief an die Philipper 2:4 lehrt uns nicht nur auf unsere eigenen Interessen zu achten, sondern auch auf die Interessen Anderer. Und in Matthäus 5, lehrt uns Jesus, wenn uns jemand eine Meile gehen lässt, mit ihm zwei Meilen zu gehen. Und so werde ich Sie fragen: Würden Sie sich für einen Moment in mich hineinversetzen und mit mir nur eine Meile laufen, auch, wenn Sie sich dabei vielleicht nicht wohl fühlen? Ich bin schwul. Ich habe mir nicht ausgesucht schwul zu sein. Es ist nichts, dass ich gewählt hätte, nicht, weil es unbedingt eine schlechte Sache ist, sondern, weil es extrem ungünstig ist, es ist stressig, es ist schwierig und es kann oft isolierend und einsam sein; anders zu sein, sich nicht verstanden zu fühlen, sich nicht akzeptiert zu fühlen. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die so liebevoll und stabil war, wie man es sich nur vorstellen kann. Ich liebe meine Eltern, und ich habe gute Beziehungen zu ihnen beiden. Nie wurde ich misshandelt oder missbraucht, und ich hätte mir keine fruchtbarere und unterstützendere Umgebung für meine Kindheit wünschen können, als ich sie hatte. Ich war nie in einer Beziehung und ich glaubte immer an die Abstinenz bis zur Ehe. Aber ich habe auch das tief verwurzelte Bedürfnis danach zu heiraten, mein Leben mit jemandem zu teilen und selbst eine eigene Familie zu gründen.

Aber laut der traditionellen Interpretation der Heiligen Schrift bin ich als Christ einzigartigerweise ausgeschlossen von dieser Möglichkeit zur Liebe, zur Partnerschaft und zur Gründung einer Familie. Aber anders als jemand, der einen Ruf zum Zölibat von Gott vernimmt oder anders als eine heterosexueller Mensch, der einfach nicht den richtigen Partner findet, vernehme ich diesen Ruf nach Enthaltsamkeit nicht, und ich könnte sehr wohl jemanden finden, den ich mit der Zeit lieben lernen könnte und mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Aber wenn das passieren würde, wenn ich mich also in jemanden verlieben sollte und wenn diese Gefühle erwidert würden, so müsste ich mich, der traditionellen Interpretation der Bibel folgend, von diesem Menschen abwenden, mir selbst das Herz brechen und mich in vollkommene Isolation zurückziehen, allein. Und das wäre nicht nur eine einmalige Enttäuschung. Es würde mein ganzes Leben lang so weiter gehen. Wenn immer ich jemanden kennen lernen würde, dessen Nähe ich wirklich genieße, müsste ich Angst haben, ich könnte anfangen, ihn zu sehr zu mögen, ihn vielleicht zu lieben. Und im Rahmen der traditionellen Bibelinterpretation ist es eins der schlimmsten Dinge, die einem Homosexuellen passieren können, sich zu verlieben. Denn du wirst notwendigerweise enttäuscht werden, du wirst weglaufen müssen und das wird jedes Mal passieren, wenn jemand anfängt dir zu wichtig zu werden. Während du also deinen Freunden dabei zusiehst, wie sie sich verlieben, heiraten, Familien gründen, wirst du immer ausgelassen werden. Du wirst nie selbst an diesen Freuden teilhaben, nie selbst einen Ehepartner oder Kinder haben. Du wirst immer allein sein.

Nun gut, das ist sicherlich traurig, mögen manche sagen und das tut mir Leid; aber man kann nicht seine eigene Erfahrung über die Autorität der Heiligen Schrift stellen nur um glücklich zu sein. Beim Christentum geht es nicht darum, dass du glücklich bist. Es geht nicht um persönliche Erfüllung. Opfer und Leid waren integraler Bestandteil des Lebens Jesu Christi, und als Christen sind wir verpflichtet uns selbst Entbehrungen aufzuerlegen, unsere Kreuze zu tragen und ihm zu folgen. Das ist alles wahr, aber es setzt vorraus, dass es keinen Zweifel gibt bezüglich der traditionellen Interpretation der Heiligen Schrift im Hinblick auf diese Angelegenheit. Das möchte ich im Folgenden erkunden. Und es haben sich ja bereits zwei ernsthafte Probleme mit dieser Interpretation aufgetan. Das erste Problem ist das Folgende: In Matthäus 7, in der Bergpredigt, warnt Jesus vor falschen Lehren. Und er bietet eine Methode an, um gute Lehre von schlechter Lehre zu unterscheiden. An ihren Früchten, werdet ihr sie erkennen, sagt er. Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechte Frucht hervorbringen und ein schlechter Baum kann keine gute Frucht hervorbringen. Laut Jesus Christus haben also gute Lehren gute Konsequenzen. Das bedeutet nicht, dass es einfach sein sollte der christlichen Lehre zu folgen und tatsächlich sind die meisten von Christi Geboten überhaupt nicht einfach zu befolgen: Die andere Wange hinzuhalten, das eigene Leben für seine Freunde aufzugeben. Aber all dies sind tiefgreifende Handlungen der Liebe, die zugleich Gottes Liebe für uns widerspiegeln und die Würde und den Wert menschlichen Lebens und des menschlichen Seins selbst. Gute Lehren, selbst, wenn sie sehr schwierig zu befolgen sind, wirken nicht destruktiv auf die menschliche Würde. Sie führen nicht zu emotionaler und spiritueller Verwüstung und zum Verlust von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Das waren aber bisher die Konsequenzen der traditionellen Bibellehre für schwule und lesbische Menschen. Sie hat keine guten Früchte für sie getragen und sie hat unschätzbares Leid für sie zur Folge. Wenn wir Jesus beim Wort nehmen und ihm glauben, dass schlechte Frucht nicht von einem guten Baum kommen kann, dann sollte uns das vielleicht infrage stellen lassen, ob die traditionelle Lehre richtig ist.

Das zweite Problem, dass sich mit der traditionellen Interpretation bereits gezeigt hat, findet sich in den Eröffnungskapiteln der Genesis, im Bericht von der Schöpfung von Adam und Eva. Diese Schöpfungsgeschichte wird bei der Argumentationsführung gegen die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften oft zitiert: Am Anfang schuf Gott Mann und Frau und zwei Männer oder zwei Frauen wären eine Abweichung von diesem Konzept. Diese biblische Geschichte verdient aber nähere Betrachtung. In den ersten beiden Kapiteln der Genesis erschafft Gott Himmel und Erde, Pflanzen, Tiere, Menschen und alles, das auf der Erde ist. Und er bemerkt, dass alle Schöpfung entweder gut oder sehr gut ist – abgesehen von einer Sache. In Genesis 2:18, sagt Gott, “Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm einen Helfenden machen, der um ihn ist.” Und ja, der Helfer oder Partner, den Gott für Adam schafft ist Eva, eine Frau. Und eine Frau ist tatsächlich der angemessene Partner für die Mehrheit der Männer – für heterosexuelle Männer. Für schwule Männer ist das aber nicht der Fall. Für sie ist eine Frau kein angemessener Partner. Und in gleicher Weise, wie die eine Frau ein angemessener Partner für einen heterosexuellen Mann ist – für schwule Männer, ist ein anderer schwuler Mann der geeignete Partner. Das gilt natürlich auch für lesbische Frauen; für sie ist es eine andere lesbische Frau, die den angemessenen Partner darstellt. Aber die notwendige Konsequenz der traditionellen Lehre über Homosexualität ist es, dass homosexuelle Menschen, wenngleich sie passende Partner haben, sie diese zurückweisen müssen und dass sie für den Rest ihres Lebens allein leben müssen, ohne einen Ehepartner oder eine eigene Familie. Wir heißen also jetzt für den Menschen das Allererste gut, was Gott für schlecht erklärt hat: nämlich zum Alleinsein gezwungen zu sein. Und die Frucht, die diese Lehre getragen hat ist und war tief verwundend und destruktiv; das ist ein ernsthaftes Problem. Indem wir an der traditionellen Bibelauslegung festhalten, widersprechen wir jetzt der Bibel eigenen Lehren: die Bibel lehrt uns, dass es nicht gut für den Menschen ist allein zu sein und dennoch lehren wir jetzt, dass es das ist. Die Heilige Schrift sagt, dass gute Lehren gute Früchte tragen werden, aber im Moment passiert das Gegenteil und wir halten das nicht für ein Problem. Hier ist etwas nicht in Ordnung; etwas ist nicht, wie es sein soll. Wegen dieser Probleme und dieser Widersprüche untersuchen viele Christen erneut die 6 Verse, die die Grundlage für diese absolute Verurteilung gleichgeschlechtlicher Beziehungen bildeten. Können wir also noch mal zurückgehen? Können wir einen näheren Blick werfen auf diese Verse und sehen, was wir aus deren Neuauslegung lernen können?

Was sind diese 6 Verse? Es gibt drei im Alten Testament und drei im Neuen Testament; ich werde in Erscheinungsreihenfolge vorgehen. Im Alten Testament haben wir die Geschichte der Zerstörung von Sodom und Gomorrah in Genesis 19 und zwei Verbote bei den Leviten 18 und 20. Und im Neuen Testament gibt es eine Passage in Paulus’ erstem Römerbrief sowie zwei griechische Begriffe in 1 Korinther 1 und 1 Timotheus 1.

Lassen Sie uns zunächst Genesis 19 betrachten, die Zerstörung von Sodom und Gomorrah. In Genesis 18 kommen Gott und zwei Engel in der Gestalt von Männern und suchen Abraham und Sarah in ihrem Zelt am Ufer des toten Meeres auf. Abraham und Sarah begreifen noch nicht, wer sie sind, aber dennoch empfangen sie sie mit freigiebiger Gastfreundschaft. Etwa in der Mitte des Kapitels sagt Gott zu Abraham, der ihn langsam zu erkennen beginnt “Es gibt sehr viele Anklagen gegen Sodom und Gomorra! Ihre Sünden wiegen sehr schwer! Ich werde hinunter kommen und nachschauen, was an den Beschwerden über sie wahr ist, die zu mir gekommen sind.” Abrahams Neffe, Lot und seine Familie leben in Sodom, und so verhandelt Abraham mit Gott; dieser erklärt sich bereit, Sodom zu verschonen, wenn Abraham auch nur 10 rechtschaffene Menschen dort finde.

Zu Beginn des folgenden Kapitels, Genesis 19, erreichen die zwei Engel Sodom, noch immer in menschlicher Gestalt. Lot läd sie ein, die Nacht in seinem Heim zu verbringen und bereitet Ihnen ein Mahl. Aber in Vers 4 lesen wir folgendes: “Sie waren noch nicht schlafen gegangen, da umstellten die Einwohner der Stadt das Haus, die Männer von Sodom, Jung und Alt, alles Volk von weit und breit. 5Sie riefen nach Lot und fragten ihn: Wo sind die Männer, die heute Abend zu dir gekommen sind? Heraus mit ihnen, wir wollen mit ihnen verkehren. 6Da ging Lot zu ihnen hinaus vor die Tür, schloss sie hinter sich zu 7und sagte: Aber meine Brüder, begeht doch nicht ein solches Verbrechen! 8Seht, ich habe zwei Töchter, die noch keinen Mann erkannt haben. Ich will sie euch herausbringen. Dann tut mit ihnen, was euch gefällt. Nur jenen Männern tut nichts an; denn deshalb sind sie ja unter den Schutz meines Daches getreten.”

Die Männer beharren weiter und die Engel strafen sie mit Blindheit. Lot und seine Familie fliehen dann aus der Stadt und Gott legt Sodom und Gomorrah in Schutt und Asche. Die Zerstörung von Sodom und Gomorrah hielt man ursprünglich für überhaupt nicht auf Sexualität bezogen, wenngleich die eben gelesene Passage eine sexuelle Komponente enthält. Aber vor allem im Mittelalter verbreitete sich ein Verständnis, nach dem die Sünde Sodoms, der Grund warum Sodom zerstört wurde, in der Homosexualität im Speziellen gesehen wurde. Diese spätere Interpretation behielt ihre Gültigkeit für Jahrhunderte; es entstand der Begriff Sodomie, welcher technisch gesehen jede Form nicht-reproduktiven Verkehrs beschreibt, an einigen Punkten in der Geschichte aber vor allem männliche gleichgeschlechtliche Interaktion beschrieb. Dies ist aber nicht mehr die vorherrschende Interpretation dieser Passage; bloß, weil späte Kulturen sie mit Homosexualität in Verbindung gebracht haben, bedeutet das nicht, dass es das ist, was die Bibel lehrt. In der Passage drohen die Männer von Sodom Lots Besuchern, welche in der Gestalt von Männern erscheinen, eine Gruppenvergewaltigung an, und so wäre diese Art von Verhalten zumindest vordergründig gleichgeschlechtlich. Das ist aber die einzige Verbindung, die gemacht werden kann zwischen dieser Passage und Homosexualität im Allgemeinen und es liegen Welten zwischen gewalttätigen Zwangshandlungen wie einer Gruppenvergewaltigung und einvernehmlichen, monogamen und liebevollen Beziehungen. Niemand argumentiert natürlich für die Akzeptanz von Massenvergewaltigungen; das ist etwas grundlegend anderes als das, wovon wir sprechen.

Die Männer von Sodom wollten aber andere Männer vergewaltigen, das muss also doch bedeuten, dass sie schwul waren; so wird argumentiert. Und Gott bestrafte ihre gleichgeschlechtlichen Neigungen und nicht nur die angedrohte Vergewaltigung. Tatsächlich wurde die Vergewaltigung von Männern durch andere Männer im Altertum häufig als aggressive Demütigungshandlung im Krieg oder einem anderen feindseligen Kontext praktiziert. Es hatte nichts zu tun mit sexueller Orientierung oder Anziehung; der Zweck war Demütigung und Eroberung. Das ist der angemessene Hintergrund, vor dem wir diese Passage in Genesis 19 lesen sollten, welche, bemerkenswerterweise kontrastiert wird durch zwei Berichte von großzügiger Wärme und Gastfreundschaft – jene von Abraham und Sarah in Genesis 18 und Lots eigener Beweis der Gastfreundschaft in Genesis 19. Das Handeln der Männer von Sodom sollte deren grausame Behandlung gegenüber Außenseitern unterstreichen und nicht etwa uns irgendwie mitteilen, dass sie schwul waren.

Und tatsächlich gibt es in den folgenden Büchern der Bibel 20 Bezüge auf Sodom und Gomorrah, teils mit detailliertem Kommentar zu deren Sünden; die Homosexualität wird aber nie mehr erwähnt oder damit assoziiert. In Ezechiel 16:49 zitiert der Prophet Gott, der sagte, “Siehe, dies war die Missetat Sodoms, deiner Schwester: Hoffart, Fülle von Brot und sorglose Ruhe hatte sie mit ihren Töchtern, aber die Hand des Elenden und des Armen stärkte sie nicht.” Gott selbst erklärt also in Ezechiel Arroganz und Apathie gegenüber den Bedürftigen zu den Sünden Sodoms. In Matthäus 10 und Lukas 10 assoziiert Jesus die Sünden Sodoms mit dem ungastlichen Umgang mit seinen Jüngern. Unter allen 20 Bezügen zu Sodom und Gomorrah in der gesamten Heiligen Schrift bezieht nur einer deren Sünden auf sexuelle Übergriffe im Allgemeinen. Im Buch Judas’ im Neuen Testament, bemerkt Vers 7, Sodom und Gomorrah haben Unzucht getrieben. Nun gibt es aber zahlreiche Formen der Unzucht und Perversion, und selbst, wenn Judas 7 spezifisch auf die Gruppenvergewaltigung aus Genesis 19:5 bezogen wird, hat das noch immer nichts mit den Arten von Beziehungen zu tun, von denen wir sprechen. Aktuell entspricht die gängige Lehrmeinung auf beiden Seiten der Debatte dem Standpunkt, dass Sodom und Gomorrah keine Grundlage für eine biblische Argumentation für die Sündhaftigkeit von Homosexualät bieten. Unsere nächsten zwei Verse, Leviticus -“Du sollst nicht bei einem Manne liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel”- werden weiterhin gern zitiert um diesen Glauben aufrechtzuerhalten; und tatsächlich kann Ihnen sicherlich größere Relevanz beigemessen werden als der Angelegenheit der Gruppenvergewaltigung; sie verdienen also genaue Untersuchung und besondere Aufmerksamkeit. Gehen wir einen Schritt zurück, um den Kontext angemessen erkennen zu können: Leviticus ist das dritte Buch der Bibel. Wir haben Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri und das Deutoronomium. Beginnend in Exodus und weiterhin bis ins Deutoronomium, übergibt Gott das Gesetz den Israeliten, welches insgesamt 613 Verhaltensregeln umfasst.

Das Buch Leviticus regelt vorwiegend zeremonielle Angelegenheiten im Bezug auf den angemessenen Gottesdienst im Tabernakel: Die verschiedenen Opfergaben und wie sie anzubieten sind, reine im Gegensatz zu unreinen Lebensmitteln, Krankheiten und Körperflüssigkeiten, sexuelle Tabus und Regeln für Priester. Kapitel 18 des Buches Leviticus enthält eine Liste sexualitätsbezogener Verbote; es folgt Kapitel 20 mit einer Liste der Sanktionen. In diesen Kapiteln wird männlicher gleichgeschlechtlicher Verkehr untersagt, und die Strafe für Zuwiderhandelnde ist der Tod. Die Verse im Speziellen sind Leviticus 28:22 und 20:13. Sie lauten: “Du sollst nicht bei einem Manne liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel” und 20:13 verlangt “Wenn jemand beim Manne schläft wie beim Weibe, die haben einen Gräuel getan und sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.”

Da haben wir’s; für Viele ist die Bibeldebatte hier vorbei. Es ist überraschend, dass so viele Menschen weiterhin glauben, dass diese Verse in Leviticus aus irgendeinem Grund das Kernstück der theologischen Debatte über Homosexualität bilden. Tatsächlich sind sie von nebensächlicher Signifikanz im Vergleich zur späteren Passage des Paulus im ersten Römerbrief. Der Grund dafür ist nicht, dass ihre Bedeutung unklar ist, sondern, dass ihr Kontext innerhalb des alttestamentarischen Gesetzes sie schlichtweg ihrer Verbindlichkeit/Gültigkeit für Christen enthebt! Ein großer Teil des Neuen Testaments setzt sich mit der Frage auseinander, welchen Platz das alte Gesetz in der entstehenden christlichen Kirche einnimmt. Aus der erstmaligen Inklusion von Nichtjuden in einen zuvor ausschließlich jüdischen Glauben erwuchsen leidenschaftliche Debatten und Meinungsverschiedenheiten unter den frühen Judenchristen bezüglich der Frage, ob nichtjüdische Konvertiten diesem Gesetz, mit seinen über 600 Regeln folgezuleisten hätten. Und in der Apostelgeschichte des Lukas 15, lesen wir, wie diese Debatte entschieden wurde. Im Jahre 49 n. Chr., trafen sich frühe Kirchenführer im Rahmen des Apostelkonzils und entschieden, dass dieses alte Recht für nichtjüdische Menschen christlichen Glaubens nicht verbindlich sein würde. Der kulturell markantesten Aspekte des alten Rechts waren die komplexen diätischen Vorschriften der Israeliten um koscher zu bleiben sowie die Beschneidungspraxis. Nach dem Apostelkonzil aber, waren selbst diese zentralen Elemente israelitischer Identität und Kultur nicht mehr Bestandteil christlichen Lebens. Obwohl das heute ein beliebtes Argument ist, gibt es keinen Grund zu glauben, dass diese beiden Verse in Leviticus Bestandteile des alten Gesetzes in irgendeiner Form auf Christen anwendbar geblieben wären, wenn es andere, viel zentralere Teile des Gesetztes längst nicht mehr sind.

Im Galaterbrief 6, geht Paulus so weit zu sagen, dass durch Christus weder Beschneidung noch Nichtbeschneidung irgendetwas bedeuten. Er spricht vom alten Gesetz als “Joch der Sklaverei” und ermahnt die Christen sich davon nicht belastet zu sehen. Im Kolosserbrief 2 schreibt Paulus, Gott habe in Christus “den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er (habe) ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.” In den Evangelien, beschreibt sich Jesus selbst als die Erfüllung des Gesetzes, und in den Römerbriefen 10:4 schreibt Paulus “Christus ist das Ende des Gesetzes”, Hebräer 8:13 bemerkt, das alte Abkommen sei nun “obsolet,” weil Christus die Grundlage der neuen Regeln ist; er befreit die Christen vom System des alten Gesetzes, welches ohnehin größtenteils spezifisch für die Israeliten, deren Gemeinschaft und deren spezifischen Gottesdienst betraf. Christen haben schon immer besonders das Buch Leviticus als im Lichte Christi Erfüllung des Gesetzes für sie unanwendbar angesehen. Während es also stimmt, dass Leviticus männliche, gleichgeschlechtliche Beziehungen verbietet, verbietet es auch ein breites Spektrum anderer Verhaltensweisen, Aktivitäten und Lebensmittel, die die Christen niemals als für sie verboten betrachtet haben. In Kapitel 11 des Buches Leviticus verbietet zum Beispiel das Essen von Schweinefleisch, Schrimps und Hummer, was die Kirche nicht für eine Sünde hält. Kapitel 19 verbietet Mischkulturen, das Tragen von Kleidung, die aus zweierlei Material gefertigt ist sowie das Schneiden der Haare an der Seite des Kopfes. Christen haben keins dieser Dinge jemals als sündhaft angesehen, weil Christi Tod am Kreuz die Christen von dem befreit hat, was Paulus das “Joch der Sklaverei” nannte. Wir unterliegen dem alten Gesetz nicht.

Das alte Gesetz enthält allerdings einige Regeln, die praktizierende Christen weiterhin beachten; die 10 Gebote zum Beispiel. Daher argumentieren einige, dass Leviticus 18:22 und 20:13 – die Verbote gleichgeschlechtlicher Kontakte- eine Ausnahme von der Regel sein sollten, und dass sie für Christen heute weiterhin Verbindlichkeit haben sollten. Für diese Position werden drei Hauptargumente angeführt. Das erste ist der unmittelbare Zusammenhang in dem die Verse stehen: Leviticus 18 und 20 verbieten auch Ehebruch, Inzest und Sodomie, welche alle weiterhin als sündhaft gelten und so sollte das mit Homosexualität auch sein. Aber nur 3 Verse entfernt vom Verbot der männlichen gleichgeschlechtlichen Beziehungen, in 18:19, werden auch sexuelle Kontakte während der Menstrualphase einer Frau verboten und auch dies wird zum Kapitelende ein “Gräuel” genannt. Dies wird aber von Christen heute nicht als sündhaftes Verhalten angesehen; viel mehr wird es als eine Angelegenheit der Reinlichkeit für die Israeliten verstanden. Alle anderen Verbotskategorien in diesen Kapiteln bezüglich Ehebruch, Inzest und Sodomie- werden im Alten Testament mehrfach wiederholt, sowohl innerhalb des alten Gesetzestextes als auch außerhalb in Exodus, Numeri, im Deutoronomium sowie bei Ezechiel. Die Verbote männlicher homosexueller Kontakte tauchen aber nur im Buch Leviticus auf, unter Dutzenden anderer Verbote, die die Christen nie als für sie verbindlich verstanden haben.

Nun gut, Leviticus nennt es ein Gräuel und wenn es damals ein Gräuel war, kann es jetzt sicherlich nicht gut sein. Der Begriff “Gräuel” wird im alten Gesetz für ein breites Spektrum an Dingen verwendet; dem Essen von Schalentieren in Leviticus 11, dem Essen von Hasen- oder Schweinefleisch im Deutoronomium 14; all diese Dinge werden Gräuel genannt. Wie gesagt, Sex während der Menstruation wird ebenfalls so betitelt. Der Begriff “Gräuel” wird vor allem im Alten Testament verwendet um Praktiken fremder Kulturen von distinkt israelitischen zu unterscheiden. Deswegen sagt Genesis 43:32, es sei ein Gräuel für die Hebräer, wenn diese mit den Ägyptern äßen und weshalb Exodus 8:26 sagt, es sei ein Gräuel für die Ägypter, wenn die Israeliten in der Nähe eines Pharaonentempels Opfergaben darbrächten. Mit den israelitischen Opfergaben an sich ist natürlich alles in Ordnung. Das Problem mit diesen beiden Vorgängen ist, dass sie die Linie zwischen Praktiken, die spezifisch israelitisch sind und jenen, welche fremd sind verwischen würden. Die Natur des Begriffes “Gräuel” im Alten Testament ist absichtlich kulturspezifisch; er definiert religiöse und kulturelle Grenzen zwischen Israel und anderen Nationen. Er trifft aber keine Aussage darüber, was intrinsisch gut oder schlecht, richtig oder falsch ist. Das ist der Grund, weshalb zahlreiche Dinge, auf die der Begriff im Alten Testament angewandt wird, seit langer Zeit als Bestandteile christlicher Lebenspraxis akzeptiert und etabliert sind.

Okay, aber die Strafe ist der Tod; das beweist sicherlich, dass das sanktionierte Verhalten als besonders bösartig galt, und, dass wir es noch immer als sündhaft betrachten sollten. Diese Aussage übersieht den Schweregrad aller anderer Strafen nach altem Recht. Angesichts der Bedrohungen, denen die Israeliten ausgesetzt waren, durch Hunger, Krankheit, Zwietracht und Angriffe anderer Stämme war es für sie von äußerster Wichtigkeit Ordnung und Zusammenhalt zu waren, weshalb uns alle Strafen im Alten Testament als recht Streng auffallen dürften. Ein Paar, dass während der Menstruation der Frau miteinander Verkehrt ist permanent von der Gemeinschaft auszuschließen. Wenn eines Priesters Tochter sich prostituiert, soll sie auf dem Scheiterhaufen brennen. Ein Jeder, der sich der Gotteslästerung schuldig macht ist nicht nur zurechtzuweisen, sondern zu steinigen und jeder, der seinen Eltern nicht gehorcht, soll ebenfalls gesteinigt werden. Auf einige Dinge, die wir überhaupt nicht als moralisch problematisch ansehen, stand im Alten Testament die Todestrafe; laut Exodus 35:2 ist das Arbeiten am Sabbath ein Kapitalverbrechen; und in Ezechiel 18 wird die Todestrafe über jeden verhängt, der Kreditzinsen erhebt und auch dies wird am Kapitelende ein Gräuel genannt. Dass etwas gemäß dem Alten Testament die Todesstrafe verdiente, bedeutet nicht, dass praktizierende Christen es heute als sündhaft ansehen sollten; es gibt hier zu große Unterschiede, sodass das kein konsequenter und effektiver Auslegungsansatz sein kann. Der allgemeine christliche Verständnisentwurf ist seit nunmehr fast zwei Jahrtausenden der, die zahlreichen Hunderte an Regeln und Verboten im alten Recht als durch Christi Tod am Kreuze als erfüllt zu betrachten und es gibt keinen guten Grund, wieso Leviticus 18:22 und 20:13 Ausnahmen von dieser Regel sein sollten.

Wenn also unsere drei alttestamentarischen Passagen bei genauerer Betrachtung keiner Argumente gegen liebevolle gleichgeschlechtliche Beziehungen ergiebig sind, was ist dann mit unseren drei Passagen im Neuen Testament? Tatsächlich, jene unter Ihnen, die bereits etwas Zeit investiert haben, um diese theologische Debatte zu studieren, werden wissen, dass die wichtigste und entscheidenste der sechs Passagen nicht aus dem Alten Testament stammt; vielmehr findet sie sich im Eröffnungskapitel von Paulus’ Brief an die Kirche in Rom: Genauer, Römerbrief 1:26-27. Diese Passage ist aus dreierlei Gründen die bemerkenswerteste: Erstens, sie ist im Neuen Testament, begegnet also nicht den Problemen von Kontext und Anwendbarkeit bzw. Gültigkeit, denen Levitikus gegenübersteht. Zweitens spricht sie – anders als Leviticus – sowohl von Männern als auch von Frauen und drittens ist sie, wenngleich sie mit zwei konsekutiven Versen nicht besonders lang ist, die Längste Diskussion irgendeiner Form gleichgeschlechtlichen Verhaltens in der Heiligen Schrift überhaupt. Weil diese beiden Verse in eine weiterreichende theologische Diskussion über den Götzendienst eingebettet sind, die relativ komplex ist, möchte ich mit dieser Passage mehr Zeit verbringen als mit irgendeiner anderen.

Paulus beginnt seinen Römerbrief mit der Beschreibung der Unrechtschaffenheit aller Menschen – Juden und Nichtjuden gleichermaßen – und der allgemeinen Notwendigkeit eines Erretters. Römer 3 nähert sich seinem Ende mit dem Vers, “Alle (sind) unter der Sünde”. In Römer 3:10 sagt Paul, “Da ist nicht, der rechtschaffen sei, auch nicht einer.” Um seinen Standpunkt bis dahin aufzubauen, argumentiert Paulus in Kapitel 2, dass die Juden – wenngleich sie das Gesetz haben – sie ihm nicht gut genug Folge leisten, um allein ihre Erlösung zu verdienen. In Kapitel 1 fängt er an, indem er die Unrechtschaffenheit der Menschheit eingehender beschreibt. Und im ersten Römerbrief 18:32 schreibt Paulus über den Abstieg der Nichtjuden in die Idolatrie und die für sie aus der Ablehnung Gottes folgenden Konsequenzen. Er sagt, dass sie die Wahrheit Gottes kannten, sie sie aber ablehnten; sie tauschten diese Wahrheit für eine Lüge ein und dienten und verehrten erschaffene Dinge anstelle des Schöpfers selbst; Tiere – Vögel und Reptilien. Und so lies Gott von Ihnen, weil sie Gott aufgegeben hatten; er lies sie ohne ihn leben und er übergab sie einem breiten Spektrum an Sünden und Leidenschaften. Unter diesen Leidenschaften finden sich Formen wollüstigen, gleichgeschlechtlichen Verhaltens. In den Versen 26 und 27 lesen wir Folgendes:

“Darum [sich beziehend auf die Idolatrie] hat sie Gott auch dahingegeben in entehrende Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Gebrauch vertauscht mit dem widernatürlichen; gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen.”

Okay, jetzt – so scheint es – ist die Angelegenheit abschließend geklärt. Wenngleich die Verse in Levitikus nicht auf Christen anzuwenden sind, haben wir hier Paulus im Neuen Testament, der uns explizit die Unannehmbarkeit, die Sündhaftigkeit homosexueller Beziehungen lehrt. Und obwohl er nur von wollüstigem Betragen spricht und nicht von liebevollen Beziehungen, etikettiert er gleichgeschlechtliche Partnerschaften als unnatürlich. Sie liegen außerhalb von Gottes natürlichem Entwurf, welcher in Genesis 1 und 2 dargelegt wird und ausschließlich heterosexuell ist. Selbst wenn eine homosexuelle Partnerschaft also liebevoll und verpflichtet ist, so ist sie noch immer sündhaft. Das ist die traditionelle Interpretation der Römerbriefe 1:26-27.

Wie solide ist diese Interpretation? Verlangt diese Passage von uns, die Möglichkeit liebevoller Beziehungen für Homosexuelle zu verneinen, und wenn ja, ergibt das Sinn in Anbetracht der aus dieser Position erwachsenden Probleme, die ich vorhin umrissen habe? War das hier Paulus’ Intention zu lehren, dass Gott verlangt, dass Homosexuelle für die Dauer ihres gesamten Lebens allein zu sein haben, weil ihre sexuelle Orientierung falsch ist und außerhalb des von Ihm entworfenen, natürlichen Entwurfes vom Menschen liegt?

Wie wir diese Passage verstehen hängt stark davon ab, wie wir die Bedeutung der Begriffe “natürlich” und “unnatürlich” verstehen. Es wird von zur traditionellen Interpretation tendierenden Menschen gemeinhin angenommen, dass sich diese Begriffe auf Genesis 1 und 2 rückbeziehen; dass sie die Heterosexualität als Gottes natürlichen Entwurf und die Homosexualität als eine unnatürliche Abweichung davon definieren sollen. Allerdings unterstützt eine genauere Untersuchung diese Auslegung nicht. Um verstehen zu können, was Paulus mit diesen beiden Begriffen meinte, müssen wir zwei Dinge berücksichtigen. Zunächst müssen wir uns den weiteren Kontext der Passage ansehen, um zu sehen, wie das Konzept von Natur innerhalb desselben funktioniert und zweitens müssen wir untersuchen, wie Paulus selbst diese Begriffe in seinen anderen Briefen verwendet und wie sie allgemein sowie insbesondere in altertümlichem Kontext auf Sexualverhalten anwendbar sind. Zunächst der Kontext der Passage. In 1:18-32, vertritt Paulus eine These bezüglich Idolatrie und diese Beweisführung hat eine sehr präzise Logik. Der Grund – sagt er in Vers 18-20 -, dass der Götzenanbeter Verhalten zu verurteilen ist, sei, weil sie Gott kennen. Sie begannen mit der Kenntnis Gottes, entschieden sich dann aber ihn abzulehnen. Paulus schreibt, ”Denn was man von Gott erkennen kann, ist ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, sodass sie keine Entschuldigung haben.” Die Götzendiener sind ohne Entschuldigung, weil sie die Wahrheit kennen, sie begannen mit der Wahrheit, lehnten sie aber ab. Paulus’ folgende Aussagen über Sexualverhalten folgen diesem selben Muster. Die Frauen, sagt er “tauschten” natürliche Beziehungen gegen unnatürliche aus. Und die Männer “verließen” den Verkehr mit Frauen und begingen schandhafte Taten mit anderen Männern. Sowohl die Männer als auch die Frauen begannen mit der Heterosexualität – sie waren dazu natürlich veranlagt so wie zu der Kenntnis von Gott – aber sie lehnten ihre ursprünglichen, natürlichen Neigungen ab für jene, welche unnatürlich waren: Für Sie, homosexuelles Verhalten. Paulus’ Argument bezüglich des Götzendienstes erfordert einen Austausch; der Grund dafür, so sagt er, dass die Götzendiener schuldig sind, ist, dass sie Gott zunächst kannten und sich dann von ihm abgewandt haben; ihn gegen Götzenbildnisse ausgetauscht haben. Paulus’ Referenz zur Homosexualität soll das generelle Konzept dieser größeren Sünde des Götzendienstes illustrieren. Aber damit diese Analogie ihre Wirksamkeit entfaltet, damit sie Sinn ergibt innerhalb dieses Argumentes, müssen die Menschen, die er beschreibt mit heterosexuellem Verhalten beginnen und sich dann von diesem Abwenden. Das ist genau wie er es beschreibt.

Aber davon sprechen wir nicht. Homosexuelle Menschen haben eine natürliche, permanente Orientierung hin zu Menschen desselben Geschlechtes; es ist nichts, wofür sie sich entscheiden und es ist nichts, wogegen sie sich entscheiden können. Sie lehnen nicht die Heterosexualität ab, sie haben diese Option gar nicht erst. Und wenn man das Argument des Paulus hier auf Homosexuelle anwendet, sollte es eigentlich in die andere Richtung funktionieren. Wenn es der Hauptzweck der Passage ist, jene zurechtzuweisen, die ihre wahre Natur ablehnen, sei es religiös, wenn es um den Götzendienst geht, oder sexuell, dann sollten Menschen mit natürlich gleichgeschlechtlicher Orientierung, genauso wenig mit Menschen des anderen Geschlechts verkehren, wie Heterosexuelle Menschen nicht mit Menschen des gleichen Geschlechts verkehren sollten. Für sie würde es gleichermaßen den Austausch des “Natürlichen” für das “Unnatürliche” bedeuten. Wenn es um die sexuelle Orientierung geht, haben wir unterschiedliche Naturen.

Aber ist das nur ein cleveres Argument, das keinen realen Bezug zum historischen Kontext von Paulus’ Welt hat und führt es deshalb zu einer Interpretation, die ursprünglich nicht in seinem Sinne gewesen wäre? Schließlich ist das Konzept der sexuellen Orientierung ein sehr junges; es wurde erst im letzten Jahrhundert entwickelt und es hat erst während der vergangenen Jahrzehnte weit reichendes Verständnis erlangt. Wie können wir also unsere modernen Kategorien und Verstehensansätze verwenden, um einen Text zu interpretieren, der davon so weit entfernt ist? Aber diese Entfernung ist genau der springende Punkt. Im Altertum galt Homosexualität meist nicht als eine andere sexuelle Orientierung, die integraler Bestandteil einer kleinen Minderheit von Menschen ist, sondern sie galt als ein Übermaß an Lust oder Leidenschaft, der jeder verfallen konnte, wenn er sich zu sehr gehen lies. Hier einige Zitate, um das zu veranschaulichen. Ein bekannter griechischer Philosoph mit dem Namen Dio Chrysostomos schrieb folgendes:

“Jener Mann, dessen Appetit gierig ist in solchen Dingen [im Bezug auf Heterosexualität] […] wird Verachtung empfinden für die einfache Eroberung und Hass für einer Frau Liebe, als Dinge, welche zu einfach gegeben werden […] und wird seinen sich auf die Männlichen ausrichten, glaubend, dass er in ihnen eine Vergnügung finden möge, welche schwierig herbeizuführen sei.”

Ein christlicher Schreiber aus dem vierten Jahrhundert sagte über homosexuelles Verhalten: “Ihr werdet sehen, dass all jenes Verlangen stammt von einer Gier, welche nicht in ihren gewöhnlichen Grenzen verbleibt.” Die Ablehnung heterosexueller Beziehungen für gleichgeschlechtliche Gelüste wurde häufig verglichen mit der Völlerei oder dem Alkoholismus. Sexualität wurde als Spektrum gesehen, bei dem aus Begierde in “moderatem” Ausmaße, gegengeschlechtliche Anziehung resultierte; während gleichgeschlechtliche Anziehung die Konsequenz exzessiver Begierde sei. Die persönliche Orientierung hatte damit nichts zu tun. In diesem logischen Rahmen aber, wurden homosexuelle Beziehungen, wie ich bereits sagte, mit der Menge an Exzess und Lust assoziiert, was der Grund dafür ist, dass Paulus sich im Römerbrief 1 darauf beruft. Sein Vorhaben ist es zu zeigen, dass die Götzendiener einer hemmungslosen Leidenschaft übergeben worden waren, und eine Szenerie des sexuellen Chaos zu Exzess zu zeichnen, die das illustriert. Und das steht absolut im Einklang damit, wie homosexuelle Beziehungen zu dieser Zeit üblicherweise beschrieben wurden. Der einzige Grund dafür, dass ein Bezug zur Homosexualität Paulus hilft, generelles sexuelles Chaos zu illustrieren, ist, dass die Menschen, die er beschreibt, zunächst mit gegengeschlechtlichen Beziehungen begannen und sie dann, in einem Ausbruch von Wollust, ablehnten und sie gegen etwas anderes eintauschten.

Es ist hier sicherlich von Relevanz, dass Paulus hier nur von wollüstigem, zwanglosem Verhalten spricht. Er spricht nicht von Menschen, die sich verlieben, die eine lebenslange Verbindung miteinander eingehen, die eine Familie zusammen gründen. Wir würde niemals auch nur davon träumen eine Passage in der Heiligen Schrift zu lesen über heterosexuelle Wollust und Promiskuität und dann, davon ausgehend, von der Falschheit ehelicher Beziehungen aller Christen. Es gibt einen enormen Unterschied zwischen Wollust und Liebe, wenn es um unsere Sexualität geht; zwischen zwanglosen und verbindlichen Beziehungen, zwischen Promiskuität und Polygamie. Dieser Unterschied galt immer als zentral für die christliche Lehre von Sexualethik für heterosexuelle Christen. Wieso sollte man diesen Unterschied nicht für ebenso zentral und bedeutsam für homosexuelle Christen halten? Wie können wir eine Passage über gegengeschlechtliche Wollust und Promiskuität nehmen und auf dieser Grundlage liebevolle Beziehungen zwischen Menschen des gleichen Geschlechts verurteilen? Das ist ein Standart der sich stark unterscheidet von dem, welchen wir auf Heterosexuelle anwenden. Das primäre Argument, dass zur Unterstützung dieser unterschiedlichen Standards hervorgebracht wird, ist, dass Paulus nicht nur gleichgeschlechtlich wollüstiges Verhalten, sondern auch den Wunsch danach verurteilt, als “schandhaft” begreift und gleichgeschlechtliche Partnerschaften “unnatürlich” nennt. Ich habe bereits erklärt, wieso Paulus’ Verwendung des Begriffes “unnatürlich” voraussetzt, dass die Götzendiener willentlich ihr natürliches heterosexuelles Verlangen ablehnen. Und genau so funktioniert der Begriff innerhalb der gesamten Passage; er spiegelt der Götzendiener Austausch von Gott gegen Götze wieder. Bevor wir diesen Abschnitt verlassen, müssen wir noch untersuchen wie Paulus selbst diese Begriffe in seinen anderen Briefen verwendet und wie die Begriffe “natürlich” und “unnatürlich” zu seinen Lebzeiten allgemein auf Sexualverhalten angewandt wurden.

Eine von Paulus’ signifikantesten Referenzen zur “Natur” außerhalb des ersten Römerbriefes findet sich in Korinther 1:11. Dort, in den Versen 13-15, schreibt er:

“Urteilt bei euch selbst, ob es sich ziemt, dass eine Frau unbedeckt vor Gott betet. Lehrt euch nicht auch die Natur, dass es für einen Mann eine Unehre ist, wenn er langes Haar trägt, aber für eine Frau eine Ehre, wenn sie langes Haar hat?”

Diese Passage des Neuen Testaments ist den Römern 1:26-27 am ähnlichsten, weil sich Paulus sich nicht nur auf die “Natur” bezieht; er spricht auch vom Konzept der “Unehre”, welches dasselbe Wort ist, dass im ersten Römerbrief mit “schandhaft” übersetzt ist. Unsere Auslegung dieser Begriffe unterscheidet sich in 1 Korinther 11 aber stark davon, wie die traditionelle Interpretation sie im ersten Römerbrief lesen möchte. Eine der am weitesten verbreiteten Bedeutungen des griechischen Wortes für “Natur” ist Brauch, und so interpretieren die Christen diese Passage im 1. Korintherbrief heute. Der Bezug zu dem, was eine “Unehre” oder “Schande” ist wird verstanden als etwas besonders Unehrenvolles angesichts spezifischer Bräuche und Gepflogenheiten. Wir lesen Paulus hier im ersten Korintherbrief also wie folgt: “Schreiben nicht die Gebräuche unserer Gesellschaft vor, dass es als schandhaft gilt, für einen Mann langes Haar zu haben, aber als ehrenhaft für eine Frau?” Diese Lesart steht im Einklang mit altertümlich-mediterranen Haltungen bezüglich Geschlecht und Haarlänge und sie ergibt viel mehr Sinn als die Vorstellung, dass natürlich biologische Prozesse dazu führen würden, dass Männer kurzes Haar tragen. “Naturgemäß” würde es lang wachsen.

Dann wiederum ist diese Passage über Haareslänge im ersten Korintherbrief der Passage in Paulus’ Schriften über Sexualverhalten im Römerbrief 1 am ähnlichsten. Wenn wir also Paulus’ Bezüge zu “Natur” und “Unehre” im Korintherbrief 1 als auf Gepflogenheiten bezogen verstehen, wieso tun wir das nicht auch mit dem Römerbrief? Im Gegensatz zur traditionellen Auslegung wäre dieser Ansatz auch auf einer Linie mit der historischen Verwendung der Begriffe “natürlich” und “unnatürlich” im Bezug auf Sexualverhalten bei den Griechen und Römern im Altertum. In diesen patriarchischen Gesellschaften, in denen Frauen als Männern unterlegen angesehen wurden, bestand das Hauptunterscheidungsmerkmal bei der Diskussion von Sexualverhalten nicht die Orientierung, sondern vielmehr aktive im Gegensatz zu passiven Rollenvorstellungen. Die Griechen und Römer, neben anderen Gesellschaften altertümlicher Zeiten, glaubten, es sei des Mannes natürliche vorgegebene Rolle in sexueller Interaktion aktiv zu sein, während die Frau passiv zu sein hatte. Wann immer eine dieser Rollen verkehrt wurde – wenn ein Mann passiv oder eine Frau aktiv wurde – wurde dieses Verhalten als schandhaft und “unnatürlich” etikettiert, da sie gegen gebräuchliche Geschlechterrollen verstießen. Aus diesem Grund nannten sie gleichgeschlechtliche Verhältnisse gemeinhin “unnatürlich.” Genau wie die griechischen und römischen Haltungen gegenüber angemessener Haarlänge, gehören deren Haltungen gegenüber Geschlechterrollen spezifisch zu diesen patriarchalen Kulturen. In beiden dieser Fälle verwendet Paulus lediglich Begriffe, die bereits weit reichende Verwendung gefunden haben, um Zustände innerhalb der Gesellschaften, die er anspricht, zu beschreiben. Er verwendet den Begriff “Natur” im ersten Römerbrief genau wie im Korintherbrief 1:11. Wenn wir also konsequent und historisch akkurat an unsere Bibelauslegung herangehen, müssen wir für den ersten Römerbrief einräumen, was wir im Falle des Korintherbriefes 1:11 bereits einräumen: “Natur” bezieht sich hier auf eine gesellschaftliche Gepflogenheit, nicht die biologische Ordnung und sie ist ein kulturspezifischer Begriff.

Unsere zwei verbleibenden Passagen sind ein Stück weniger verworren als die anderen, weshalb ich für sie weit weniger Zeit aufwenden möchte. Es geht um 1 Korinther 6:9 und 1 Timotheus 1:10 und die Debatte hier konzentriert sich auf die Übersetzung zweier griechischer Begriffe. In 1 Korinther 6:9-10 warnt Paulus vor jenen, die nicht das Königreich Gottes erben werden. Dann listet er 10 verschiedene Arten von Menschen, die das Königreich Gottes nicht erben werden. Weil der Diskurs hier auf der Übersetzung fußt, werde ich mit der King James Version dieser Passage beginnen, welche vor über 400 Jahren veröffentlicht wurde und so dieser modernen Kontroverse zuvorkommt. Sie lautet wie folgt:

“wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasset euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.”

Unsere Schlüsselbegriffe für die Diskussion hier sind die Wörter, die als “Lustknaben” und “Knabenschänder” übersetzt wurden. Diese ziemlich problematischen Übersetzungen in der Luther Bibel stehen im Einklang damit, wie diese Worte eigentlich für Jahrhunderte ins Deutsche übersetzt worden sind: Morallosigkeit oder Missbrauch irgendwelcher Art; welcher Art wurde nie bemerkt. Das änderte sich nach der Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, wenn einige Bibelübersetzer begannen, diese Begriffe direkt auf Homosexualität zu beziehen. Erstmals trat diese Wendung auf, als Übersetzungen der Bibel veröffentliche wurden, die schlichtweg verkündete “Homosexuelle” werden das Königreich Gottes nicht ererben. In jüngerer Zeit, nachdem die Unterscheidung zwischen sexueller Orientierung und Sexualverhalten weiterreichendes Verständnis erlangt hatte, wurde dies geändert, sodass nur “praktizierende Homosexuelle” das Königreich nicht ererben werden. Diese Begriffe und Konzepte bezüglich der sexuellen Orientierung sind aber der biblischen Welt vollkommen fremd. Weder das Griechische, die Sprache des Neuen Testaments, noch das Hebräische, die Sprache des Alten Testaments, noch Latein, die Sprache früher christlicher Übersetzungen der Bibel hatten ein Wort, dass das deutsche Wort schwul bedeutet oder ihm gleichkommt. Das Konzept der sexuellen Orientierung, und besonders der gleichgeschlechtlich ausgerichteten sexuellen Orientierung existierte im Altertum nicht. Der deutsche Begriff “homosexuell” war noch lange nicht geprägt. Deshalb sind Übersetzungen, die suggerieren, Paulus habe diese eindeutig modernen Konzepte und Kategorien verwendet, höchst suspekt. Heute gibt es aber viele Übersetzungen der Bibel – wenngleich sicherlich nicht alle von ihnen – die diese Begriffe auf eine Art und Weise mit Homosexualität in Verbindung bringen; sie übersetzen sie als “Männer die Homosexualität praktizieren, “Männer, die Sex mit Männern haben” oder sogar “männliche Prostituierte.” Was ist die Grundlage für diese Veränderung der Übersetzung?

Das Wort, das als “Knabenschänder” in der Lutherbibel übersetzt wird, ist ein zusammengesetzter Begriff. Im Griechischen ist es “arsenokoites;” “arsenos” für “männlich” und “koites” bedeutend “Bett,” generell mit einer sexuellen Konnotation. Die Grundannahme ist nun, es sei möglich die Bedeutung des Wortes etymologisch zu bestimmen: männlich plus Bett in der Pluralform muss sich scheinbar auf Männer beziehen, die mit Männern schlafen. Es gibt aber einige Probleme mit diesem Ansatz. Zunächst, wenn wir uns nur die Bestandteile eines Wortes ansehen, wissen wir nicht zwangsläufig, was es bedeutet. Es gibt viele englische Wörter, bei denen dieser Ansatz scheitern würde: zum Beispiel die Wörter “understand,” “butterfly,” “honeymoon.” Die Wortbestandteile enthalten hier keine Aussage darüber, was diese Worte bedeuten. Um zu verstehen, was ein Wort bedeutet, muss seine Verwendung im Kontext berücksichtigt werden. Das Problem mit dem Wort “Knabenschänder”-ἀρσε̿οκοίτης- ist, dass es im antiken Griechischen sehr selten verwendet wurde. Tatsächlich gilt Paulus’ Verwendung des Begriffes in 1 Korinther als erstmaliger dokumentierter Gebrauch überhaupt. Nach diesem Textabschnitt taucht es an einigen Stellen auf, die jedoch eher Listen genereller Vergehen sind, welche keinen sehr hilfreichen Kontext liefern. Glücklicherweise sind diese Listen aber nach Kategorien gruppiert und dieses griechische Wort erscheint durchweg neben Vergehen, die von primär wirtschaftlicher Natur sind, nicht in erster Linie sexuell. Dies und weitere kontextuelle Daten legen nahe, dass sich dieser Begriff auf eine wie auch immer geartete, wirtschaftliche Ausnutzung, wahrscheinlich durch sexuelle Mittel bezieht. Dabei könnten homosexuelle Praktiken eine Rolle gespielt haben; aber wenn, dann in zwangsbezogenem und ausbeuterischem Zusammenhang. Es gibt keine kontextuellen Indizien für einen Zusammenhang zwischen diesem Begriff und liebevollen, treuen Partnerschaften.

Das andere fragwürdige Wort in dieser Passage, übersetzt als “Lustknaben” bei Luther oder “effeminiert” in der King James Bibel, ist “malakos” im Griechischen. Dies war ein sehr geläufiges Wort im Altgriechischen und es bedeutet buchstäblich “weich”. Es wurde als Schimpfwort in einer Unzahl von Kontexten verwendet; um jene zu beschreiben, welche als Menschen schwachen Willens, feige oder faul galten. Alle diese Formen des Scheiterns waren im Altertum besonders mit dem weiblichen Geschlecht assoziiert; daher die Übersetzung “effeminiert.” In einem spezifisch sexuellen Zusammenhang wurde das Wort verwendet, um generelle Zügellosigkeit und Ausschweifung (Lustknaben) zu beschreiben, dies war aber nicht auf irgendeine Art von Beziehung beschränkt. Zuweilen wurden Männer, die in sexuellen Verhältnissen die passive Rolle einnahmen so betitelt, was der Grund ist, weshalb einige moderne Übersetzer den Begriff mit Homosexualität verbinden. Es wurden aber so viele Menschen so betitelt für eine Vielzahl verschiedener Dinge – die meisten von ihnen nicht einmal sexueller Natur und die meisten sexuellen im Bezug auf Männer in Beziehungen mit Frauen, dass es keine gültige Grundlage dafür gibt, einen möglichen Grund aus Dutzenden herauszupicken und zu sagen, dass dies sein muss, was Paul zu sagen gedachte. Es würde dem Text in höherem Maße gerecht zum gleichen Grad an Vieldeutigkeit zurückzukehren, der für über 1.900 Jahre vorwog. Der Gedanke, dass Paulus hier schwule und lesbische Menschen im Einzelnen herausnimmt und davon spricht, dass sie das Königreich Gottes nicht ererben werden, hält einer genaueren Prüfung schlichtweg nicht stand.

In der abschließenden Passage, 1 Timotheus 1:10, taucht das erste Wort ”Knabenschänder” erneut auf, in einer Liste von Leuten, von denen Paulus sagt, das Gesetz sei gegen sie geschrieben. Die Übersetzungsprobleme und Debatten sind hier dieselben wir im Korintherbrief 1. Erneut ist die stärkste Interferenz, die von anderen Verwendungen desselben Begriffes ausgehend eingeräumt werden kann der Umstand, dass er sich auf wirtschaftliche Ausbeutung durch sexuelle Zwangsausübung bezieht; möglicherweise gleichgeschlechtliche Praktiken einschließend, allerdings einer sehr anderen Art, als wir sie hier besprechen.

Das sind also die sechs Passagen, die sechs Verse in der Bibel, die in irgendeiner Art und Weise Bezug zu gleichgeschlechtlichen Verhältnissen aufweisen. Und tatsächlich sind sie alle negativ. Aber das ist kein abschließendes Argument. Die Mehrheit der Referenzen zu Sexualverhalten im Allgemeinen, auch zu heterosexuellem Verhalten ist in der Bibel negativ. Das liegt nicht daran, dass Sexualität etwas schlechtes ist, sondern daran, dass die meisten Referenzen dieser Art Bezüge zur Wollust, zum Exzess, zur Untreue, zur Promiskuität, zu Vergewaltigung oder Gewalt sind. Und ja, die Bibel enthält positive Bestätigungen gegengeschlechtlicher Verhältnisse zusätzlich zu hunderten negativer Verse bezüglich verschiedener Formen derselben. Sie enthält keine explizit positiven Aussagen über gleichgeschlechtliche Beziehungen. Sie nimmt sich aber überhaupt kaum homosexuellen Verhaltens irgendeiner Art an und die sehr wenigen Referenzen dazu sind in vollständig anderen Kontexten als liebevollen Partnerschaften. In Genesis 10, gibt es einen Bezug zu angedrohter Gruppenvergewaltigung. In 1 Korinther 6 und 1 Timotheus 1, gibt es eine Referenz zu einer scheinbaren sexuellen Ausbeutung. Im Römerbrief 1, nimmt Paulus Bezug auf wollüstiges gleichgeschlechtliches Verhalten als Bestandteil einer Illustration generellen sexuellen Chaos und Exzesses. Und obwohl er dieses Verhalten als “unnatürlich” betitelt, verwendet er diesen Begriff im Sinne “unüblicher” Geschlechterrollen, genau wie er sich auf gesellschaftliche Gepflogenheiten bezieht, als er langhaarige Männer “unnatürlich” nennt. Die einzige Stelle in der Heiligen Schrift, an der männliche, homosexuelle Beziehungen tatsächlich verboten werden – im Buch Leviticus – steht im Kontext eines alttestamentarischen Kodex, der auf Christen niemals Anwendung fand.
Liebevolle, verpflichtete, homosexuelle Partnerschaften spricht die Bibel niemals direkt an und sie verurteilt sie mit Nichten. Es existiert keine biblische Lehre von der sexuellen Orientierung, noch gibt es einen Aufruf zu lebenslänglicher Enthaltsamkeit für gleichgeschlechtlich liebende Menschen. Stattdessen lehnt die Bibel forcierte Einsamkeit als Gottes Wille für die Menschen explizit ab, nicht nur im Alten Testament, als Gott sagt, dass “es […] nicht gut (ist), dass der Mensch allein bleibt,” sondern auch im Neuen Testament. In 1 Korinther 7 schreibt Paulus über Ehe und Zölibat. Er selbst war enthaltsam und sagt er wünsche, dass jeder Andere es ebenfalls sein könnte. Aber er sagt, jeder Mensch habe seine eigene Gabe. Für Paulus ist der Zölibat ein spirituelles Geschenk und eines, von dem er weiß, dass es viele Christen nicht haben. Paulus beobachtet, dass sexuelle Morallosigkeit weit verbreitet ist, weil vielen Christen diese Gabe fehlt. So schreibt er von der Ehe als eine Art Hilfsmittel, als Schutz gegen die sexuelle Sünde vor, für Christen, denen die Gabe des Zölibats fehlt. “Es ist besser zu heiraten als mit Leidenschaft zu brennen,” sagt er. Und heute spürt die überwältigende Mehrheit der Christen weder die Gabe des Zölibats, noch den Ruf danach. Das ist der Fall sowohl für heterosexuelle als auch für homosexuelle Christen. Wenn also die Abhilfe gegen sexuelle Sündhaftigkeit die Ehe ist, wieso sollte diese Abhilfe für homosexuelle Christen nicht dieselbe sein?

Die Streitgespräche und Debatten, die wir bezüglich der gleichgeschlechtlichen Ehe führen, sowohl innerhalb der Kirche als auch in der bürgerlichen Gesellschaft tendieren dazu in Abstraktionen verloren zu gehen. Ist es rechtens für einen Mann einen anderen Mann zu heiraten? Oder für eine Frau eine andere Frau in die Ehe zu führen? Nun ja, es scheint nicht richtig. So hat uns Gott nicht erschaffen. Er schuf Männer für Frauen, und Frauen für Männer. Das ist Seine Kreation – seine Definition der Ehe – und wir haben daran nicht herumzupfuschen oder etwas daran zu ändern. Aber diese Argumente werden vorgebracht von Menschen, die selbst heterosexuell sind, die immer in ihre Umgebung gepasst haben, die nicht Jahre innerer Qualen und Agonie ertragen haben, weil sie eine andere sexuelle Orientierung haben als ihre Freunde, ihre Eltern, als scheinbar die gesamte restliche Welt. Aber diese Menschen, gleichgeschlechtlich liebende Menschen, sind genauso sehr die Kinder Gottes und genauso sehr Teil seiner Schöpfung wie es jeder Andere ist. Und es ist in grauenerregendem Maße ungerecht, wenn heterosexuelle Christen darauf bestehen, dass homosexuelle Christen ihnen in irgendeiner Weise unterlegen, oder kaputt sind, oder, dass homosexuelle Menschen nur wegen des Niederganges existieren, dass Gott in Wirklichkeit alle Menschen heterosexuell machen wollte, wie sie. Wissen Sie, ich bin auch Teil der Schöpfung, einschließlich meiner sexuellen Orientierung. Ich bin Teil von Gottes Kreation. Das war die erste Lektion, die ich als Kind im Gottesdienst lernte, dass Gott mich erschaffen hat, dass Gott mich liebt, und dass ich ein geliebtes Kind Gottes bin, nicht mehr und nicht weniger Wert als irgendjemand anders. Ich liebe Gott. Und ich liebe Jesus. Das tue ich wirklich. Aber das bedeutet nicht, dass ich mich für den Rest meines Lebens selbst hassen oder in Selbstmitleid, Elend und Verachtung wälzen muss. Dafür hat Gott mich nicht erschaffen.

Unsere Diskussion dieser Angelegenheit, des “Homoproblems” kann nicht stattfinden im Raum der Abstraktionen, der Träumereien über Gottes idealen Entwurf und ideale Geschlechterrollen, als ob Homosexuelle nicht existierten. Jesus Christus setzte einen besonderen Schwerpunkt auf die Übersehenen, die Ausgestoßenen, auf misshandelte und marginalisierte Minderheiten. Und wenn wir danach Streben, ein Leben wie Christus zu führen, dann sollte darauf auch unser Schwerpunkt liegen. Der Römerbrief 12 sagt uns, wir sollen einander höher ehren als uns selbst, mit jenen glücklich sein, welche glücklich sind und mit jenen trauern, welche trauern. Hebräer 13:3 sagt uns, wir sollen an die Misshandelten denken, als litten wir selbst. Wie sehr haben Sie nicht nur die Existenz schwuler und lesbischer Christen, sondern darüber hinaus den Schmerz und das Leid verinnerlicht, dass ihre eigenen Brüder und Schwestern ihnen zugefügt haben? Schmerzt Sie dieses Leid als wäre es Ihr eigenes?

Und in welchem Maße sind Sie sich im Klaren darüber, wie Sie vielleicht zu Leid und Schmerz im Leben homosexueller Menschen beitragen? Es ist noch immer weit verbreitet unter heterosexuellen Christen zusagen, “Ja, ich glaube, dass Homosexualität eine Sünde ist, aber machen Sie mir keine Vorwürfe; Ich lese bloß die Bibel. Das ist es, was darin steht.” Zunächst einmal, nein; Sie lesen nicht lediglich die Bibel. Sie nehmen einige wenige Verse aus ihrem Kontext und leiten aus ihnen absolute Verurteilung ab, die niemals intendiert war. Sie treffen aber außerdem einen anderen Menschen tief im Inneren seines Seins und entreißen ihm seine Würde und seine Selbstachtung. Sie bekräftigen die Botschaft, die Homosexuelle seit Jahrhunderten hören: Du wirst immer allein sein. Du kommst aus einer Familie, aber du wirst nie eine eigene gründen. Du bist einzigartigerweise unwürdig einen anderen Menschen zu lieben und geliebt zu werden; weil du anders bist, weil du schwul bist.

Anders zu sein ist kein Verbrechen. Schwul zu sein ist keine Sünde. Und wenn ein schwuler oder lesbischer Mensch den menschlichen Wunsch nach Liebe, Partnerschaft und Familie hegt, so ist das kein Bisschen selbstsüchtiger oder sündhafter als wenn ein heterosexueller diese Dinge ersehnt und anstrebt. Das Hohelied erzählt uns, dass König Salomons Hochzeitstag der Tag war, an dem “sein Herz glücklich war.” Diese Freude einer kleinen Minderheit an Menschen zu versagen, nicht nur einen Hochzeitstag, sondern ein Menschenalter der Liebe und der Hingabe, der Familie, bedeutet, diesem Menschen eine verheerende Menge seelischen Schmerzes zuzufügen. Nichts in der Bibel sagt uns, dass wir diesen Schmerz weiterführen sollen, anstatt zu versuchen ihn zu lindern; besonders, wenn das Problem so einfach zu lösen ist. Alles, was wir brauchen ist Akzeptanz. Die Bibel steht weder der Akzeptanz homosexueller Christen, noch der Möglichkeit liebevoller Beziehungen zwischen Ihnen entgegen. Wenn Sie sich bei dem Gedanken an zwei sich liebende Männer oder Frauen nicht wohl fühlen, wenn sie sich gegen die Vorstellung sträuben, dann bitte ich Sie darum zu versuchen die Dinge um meinetwillen anders zu betrachten; auch, wenn Sie sich dabei unwohl fühlen. Ich bitte Sie darum sich folgende Frage zu stellen: Wie wichtig ist Ihnen Ihre Familie? Wie sehr lieben Sie Ihren Ehepartner? Wie beharrlich würden Sie um sie kämpfen, wenn sie je in Gefahr oder einer Bedrohung ausgesetzt wären? So wichtig sollte es Ihnen sein, so unnachgiebig sollten sie kämpfen um dieselben Dinge in meinem Leben, weil sie mir genauso am Herzen liegen. Gleichgeschlechtlich liebende Menschen sollten als Teil unserer Familien und Gemeinschaften hoch geschätzt werden; die wirklich christliche Reaktion auf Sie ist Akzeptanz, Unterstützung und Liebe. Danke und danke an alle für Ihr Kommen heute Abend.